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Mythen und Sagen im Gebirge
Die Schlafende Hexe

Etwa auf halber Strecke der Straße von Bad
Reichenhall nach Berchtesgaden fällt der Blick auf das Lattengebirge
mit dem markanten Steinzug „Schlafende Hexe“. Die Sage um
diesen Berg versucht die auffallenden Umrisse, die einer liegenden Hexe
gleichen sowie das Phänomen der hier besonders häufig auftretenden
Steinschläge zu erklären.
Am Hallthurmpaß soll der Sage nach eine Hexe ihr Unwesen getrieben
haben. Sie reichte den Reisenden mit Gift versetzte erfrischende Getränke
und rollte große Felsbrocken von den Gipfeln herab, um vorbeiziehende
Gottgläubige zu töten. Auf einer Missionsreise in seine Heimat
Ungarn entkam der Hl. Martin knapp einer von der Hexe ausgelösten
Steinlawine und hielt ihr sein Kreuz entgegen. Daraufhin wurde die Hexe
in die Luft geschleudert und fiel, zu Stein geworden, auf den Gipfeln
des „Predigtstuhls“ und des „Schlegels“ nieder
wo sie bis heute liegt.
Die steinerne Agnes / Das Teufelsloch

Im Lattengebirge erhebt sich eine schlanke Felsspitze,
die „Steinerne
Agnes“ heißt. Hier soll einst eine sehr fromme Sennerin namens
Agnes gelebt haben. Den Teufel ärgerte ihre Frömmigkeit und er versuchte,
sie in Gestalt eines Jägers, eines Hirten und eines Musikanten zu verführen.
Als all diese Versuche scheiterten, trieb der Teufel eine ihrer Kühe von
der Alm weg. Agnes suchte nach ihr und fand sie schließlich. Als sie
die Kuh heim treiben wollte, stand plötzlich der Teufel mit funkelnden
Augen vor ihr. Sie lief voll Angst davon, gejagt vom Teufel. Entkräftet
brach sie zusammen und betete. Da öffnete sich vor ihr eine Steinwand
und sie lief hinein. Als der Teufel ihr in die Wand folgte, rannte er sich
an Agnes zu Tode, denn sie war zu Stein geworden. Noch heute heißt die
Wand „Das Teufelsloch“.
König Watzmann
Eine Sage über die Entstehung der Berggesichter

Nach einer uralten Sage
herrschte im Berchtesgadener Land ein wilder König, namens Watzmann.
Höchste Lust war es ihm, die Fluren seiner Untertanen freventlich zu
vernichten und deren Leben grausam hinzuschlachten. Für sein
höllisches Unwesen traf ihn göttliche Strafe; er wurde samt seiner
Familie zum ewigen Wahrzeichen in Stein verwandelt.
Quelle
Die Löcher im
Roßkopfgrat
Einst lebten auf der Handlaste im Achental zwei Senner. Der
Melcher und sein Helfer, der Astner genannt wurde.
Als die Zeit der Christmette kam, trug ihnen der Bauer
strengstens auf, die Mette, die im Dorf um Mitternacht gefeiert
wurde, zu besuchen.
Es war bitterkalt, draußen vor der Hütte lag meterhoch Schnee,
wer sollte sie jetzt zwingen, die Hütte zu verlassen und in das
Dorf zu gehen?
So vertrieben sich die beiden Männer die Zeit mit "Watten"
(Kartenspiel).
Kaum war es Mitternacht, da schlug die Tür auf und der
Leibhaftige stand vor ihnen!
Die Senner wurden vor Schreck kreidebleich. Während der Astner
auf die Knie fiel und laut zu beten anfing, suchte der Melker,
der das Beten schon verlernt hatte, sein Heil in der Flucht.
Doch der Teufel versperrte ihm den Weg, packte ihn an der
Schulter, riß ihn durch das Schlüsselloch hinaus ins Freie, trug
ihn in wilder Fahrt auf die Gipfel und riß ihn durch sieben
Berge. Jetzt trug er den Melcher wieder zur Astenhütte und
stellte ihn hinter der Tür mit dem Kopf nach unten auf.
Die Löcher, durch die der Teufel den Sünder gezogen hatte, sind
heute noch besonders schön am Roßkopfgrat zu sehen.
entnommen aus "Sagenwelt im Oberpinzgau"
von Volkmar Zobl
Der Hexentanz
auf der Gerlosplatte
Vor vielen Jahren ging ein
Jäger von Krimml in das Wildgerlostal auf Gemsenjagd.
Weil er immer wiedser auf dem Rückweg bei den Almen
einkehrte, verspätete er sich und kam erst bei Dunkelheit
auf die Hinterplatte, wo heute noch drei Hütten stehen.
Es war schon stockfinster. Deshalb legte er sich in der Rem
(Heuboden) auf einen Heustock und schlief gleich ein.
Plötzlich wurde er aus dem Schlaf geschreckt: er horchte und
hörte in nächster Nähe eine Klarinette spielen. Die
Musiktöne erklangen ganz deutlich aus der benachbarten
Hütte. Er stand auf, öffnete vorsichtig die Remtür und
schlich zum Fenster der danebenstehenden Almhütte. Als er
durch das kleine Fenster spähte, sah er eine hellbeleuchtete
Stube. Auf der Ofensäule saß eine riesengroße, schwarze
Katze, die ihren langen Schwanz im Maul hatte und darauf wie
auf einer Klarinette spielte.
Die Stube war überfüllt mit Menschen: reiche Bauersleute aus
der ganzen Umgebung, Senner und Sennerinnen, die er alle
kannte. Sie tanzten ausgelassen und mit wilder Leidenschaft.
Je schneller das Spiel der schwarzen Katze wurde, desto
toller ging es in der Stube zu.
Als er dieses Spektakel sah, wußte er: Das ist der
Hexentanz!
Er wollte mit dieser Hexerei nichts zu tun haben und schlich
sich wieder auf sein Heulager, doch konnte er vor lauter
Lärm nicht mehr einschlafen. Immer wieder sagte ihm sein
Gewissen: "Geh hinüber und mach dem sündhaften Treiben ein
Ende!"
Er sprang vom Lager auf, nahm sein Gewehr, schlich wieder
zur Almhütte, legte die Büchse auf das eiserne Fensterkreuz,
nahm die Teufelskatze aufs Korn und drückte ab.
Im selben Augenblick erhob sich ein furchtbarer Lärm, die
Katze purzelte von der Ofensäule, die kreischenden
Sennerinnen setzten sich auf eine Ofenschaufel und schrien:
"Hiaz (Jetzt) fahr´n ma (wir) auf und davon und nindascht
(nirgends) mehr oa (herunter)."
Gleich darauf erhoben sie sich in die Lüfte und flogen, auf
der Ofenschaufel sitzend, durch das Fenster davon. Voll
Entsetzen und ganz gebrochen wankte der Jäger in seine Hütte
zurück und sank bewußtlos auf sein Lager.
Erst am nächsten Tag erwachte er aus der Ohnmacht und kehrte
schwankend nach Krimml zurück.
Von nun an siechte der Jäger, der früher landauf und landab
als lebenslustiger und kräftiger Mann bekannt war, dahin,
und nach einem halben
Jahr fand er im Grab seine ewige Ruh.
entnommen aus "Sagenwelt im Oberpinzgau" von Volkmar Zobl
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